Wahlkampf versus Wahlkrampf, Schluß mit Ausreden!
Am 08. März 2026 ist es wieder soweit, in Bayern finden die Landtagswahlen statt. In über 2.000 Gemeinden und Städten kommt es zu Kommunalwahlen, dazu werden Landräte und Kreistage gewählt. Eigentlich eine gute Gelegenheit für die Wählerinnen und Wähler darüber abzustimmen, wer dann in den nächsten sechs Jahren über das Wohl und Wehe der Gemeinden, Städte und Landkreise bestimmen darf. Vergleichbar mit der Zeugnisverteilung in der Schule, wer hat das Klassenziel erreicht und wer konnte nicht ausreichend überzeugen.
Was dieser Vorgang mit uns zu tun hat ? Nun, auch wir haben wie viele andere Tierheime und Tierschützer versucht, die die in den Gemeinden und Städten handelnden Personen auf das Leid vieler Tiere aufmerksam zu machen, sei es die noch immer in fast allen Gemeinden fehlende Umsetzung der Katzenschutzverordnung, aber auch die Vorfälle verendender Tiere in Ställen lassen uns nicht ruhen. Doch wenn wir uns nun Anfang 2026 die Frage stellen was wir wirklich erreicht haben, bleibt zugegebenermaßen nur sehr wenig. Man hat oft das Gefühl, dass die politisch Handelnden kein größeres Interesse an wirklichem Tierschutz haben und sich in ihren Antworten, wenn überhaupt, in Allgemeinplätze flüchten.
Sollten wir also jetzt ein Zeugnis über die letzten Jahre ausstellen dürfen, würden sich hier oft die Noten mangelhaft bis ungenügend finden. Franz von Assisi, Schutzpatron der Tiere, würde sich im christlich regierten Bayern eher nicht wohl fühlen. Nur wenige Kommunen im Freistaat haben wirklich etwas getan, bestes Beispiel ist die Stadt Laufen. Hier funktioniert schon seit Längerem die Umsetzung der Katzenschutzverordnung, das Problem der Streunerkatzen wird so dort immer kleiner!
Doch jetzt ist ja eigentlich die beste Gelegenheit, durch unser Wahlverhalten wenigstens die ein oder andere Veränderung zum Positiven zu erreichen. Wisst ihr eigentlich, wie eure Gemeinderäte, euer Bürgermeister oder Landrat wirklich zum Thema Tierschutz stehen? Fragt doch einfach nach, wenn ihr keine Auskunft oder nur die üblichen Ausreden bekommt, wisst ihr Bescheid. Wobei die typische Antwort, „ Wir würden ja gerne, haben aber kein Geld dafür“ bestimmt meistens genannt wird, oft noch mit einer bedauernden Leidensmiene. Ja ja, schon klar, das liebe Geld! Doch stellt sich doch hier die Frage, wie es sein kann, dass ausgerechnet Bayern das Schlusslicht aller Bundesländer bei der Katzenschutzverordnung einnimmt. Und dass, obwohl unser Ministerpräsident es in keinem seiner vielen Fernsehauftritte versäumt, darauf hinzuweisen, dass Bayern ja das gelobte Land ist in dem alle Menschen glücklich wären. Von Tieren hat er noch nie gesprochen! Vielleicht kann er ja mal seinen Hamburger Kollegen fragen wie er es geschafft hat, für sein Bundesland die Kastrationspflicht ab 01.01.2026 verpflichtend einzuführen. Auch das Land Schleswig-Holstein wird Mitte dieses Jahres die Katzenschutzverordnung in Kraft setzen.
Wobei ein Erlass der Verordnung allein nicht genügt, sie muss auch umgesetzt und kontrolliert werden! Wobei man durchaus auch über den Sinn streiten kann, denn das eigentliche Hauptproblem, nämlich über 100.000 Streunerkatzen wird hier oft nur am Rande erwähnt, während man anscheinend Katzen mit Freigang als wichtigen Faktor sieht. Könnte dies vielleicht daran liegen, dass die Kosten von den Besitzern getragen werden müssen, während bei herrenlosen Streunerkatzen die Kommune dafür zuständig ist? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Und beim Thema „Geld und Tierschutz“ werden Politiker schnell einsilbig und flüchten sich in Allgemeinplätze und Ausreden!
Wenn wir uns die aktuellen Wahlplakate ansehen, dann verheißt das nichts Gutes! Oder habt ihr schon auch nur ein einziges Plakat gesehen, in dem es auch um das Wohl der Tiere geht? Im Gegenteil, meist handelt es sich um geschönte Bilder der Kandidaten, die so bearbeitet wurden, dass das Original kaum zu erkennen ist. In München wirbt ein Bürgermeisterkandidat sogar nur mit seinem, zugegebenermaßen extravaganten, Brillengestell, auf die Idee muss man erst mal kommen, während sein Gegenkandidat gerade noch durch die wenigen Lücken der in der ganzen Stadt aufgetauchten Bauzäune krampfhaft lächeln kann und noch immer Frohe Weihnachten wünscht. Viele Bilder, aber keine Aussagen!
Tiere haben eben leider keine Lobby und keine Wählerstimme! Gerade deshalb werden wir nicht aufgeben, weiter für sie zu kämpfen. Auch wenn viele bäuerliche Gemeinderäte beim Wort „Katzen“ sofort hohen Blutdruck bekommen oder wie in der Vergangenheit ein namentlich bekannter Landrat treuherzig erklärt, dass er als Mann niemals seinen vierbeinigen Geschlechtsgenossen kastrieren würde!
Deshalb werden auch wir in den Wochen vor der Wahl bei vielen Kandidaten für das Bürgermeister- oder Gemeinderatsamt sowie Landräten vorstellig werden und nachfragen, wie denn ihre Haltung zum Tierschutz ist und was sie zukünftig dafür zu tun gedenken. Und wir werden uns sicher nicht mit Antworten wie „meine Tante hat ja auch eine Miezi“ oder „Ich hab als Kind schon immer die Regenwürmer von der Straße gesammelt“ zufrieden geben!
Hier unser kleiner Fragenkatalog:
1. Was haben sie persönlich im Laufe ihrer politischen Tätigkeit bisher für den Tierschutz getan?
2. in welcher Form möchten sie sich nach ihrer Wahl zukünftig für den Tierschutz einsetzen?
3. Wie stehen sie zur Umsetzung der Katzenschutzverordnung?
4. Wie sehen sie die aktuelle Situation von Tierheimen und Gnadenhöfen und wie möchten sie persönlich diese, wenn notwendig, verbessern?
5. Wie wichtig ist auf einer Skala von 01 bis 10 ( 01 sehr wichtig, 10 völlig uninteressant ) nach ihrer Meinung Tierschutz?
Und natürlich werden wir euch auch darüber in Kenntnis setzen, besonders dann, wenn eine Auskunft ohne echte Gründe verweigert wird!
Bitte macht mit, fragt unsere zukünftigen Entscheider, denn ein dermaßen großes Desinteresse am Tierschutz wie in den letzten Jahren darf es im so gelobten Bayern nicht weitere sechs Jahre geben! Wir möchten zukünftig einfach nicht mehr erleben, dass Mails an politisch Verantwortliche nachweislich ungelesen gelöscht werden und jede Bitte um ein Gespräch einfach mit „Überlastung“ abgeblockt wird. Unser Rat, einfach ein Bierzeltbesuch weniger, dann sollte doch genügend Zeit sein!
Ein „Einfach weiter so“ darf es jetzt einfach nicht mehr geben !
Gerne könnt ihr uns auch eure Erfahrungen in Gesprächen mit Bürgermeistern und Gemeinderäten mitteilen. Unsere Emailadresse findet ihr am Ende des Newsletters.