Gemeindewohl und Tierschutz, geht das überhaupt?
In unserem Newsletter Februar hatten wir darüber berichtet, dass wir einige der Kandidaten für die am 08. März stattfindenden Kommunalwahlen in Bayern per Mail anschreiben werden. Dabei stellten wir fünf kurze und wie wir meinten,einfache Fragen zum Thema Tierschutz und zur Katzenschutzverordnung. Insgesamt erhielten 52 bisherige Amtsträger und auch neu zur Wahl stehende Kandidaten Post von uns. Den Eingang der Antworten hatten wir für den 15. Februar vorgesehen, also einen relativ großen Zeitraum.
Warum machen wir das? Nun, wir wollten uns damit keineswegs aufs politische Parkett begeben, sondern einfach mal ein Gefühl dafür bekommen, wie Landräte und Bürgermeister denn zum Tierschutz stehen. Immerhin ist Tierschutz im Artikel 141 der Bayerischen Verfassung verankert, doch wir stellten uns die Frage: Wie ernst wird er eigentlich genommen, schließlich wird ja auf die Verfassung ein Amtseid abgelegt. Warum ist der Freistaat Bayern und seine dafür verantwortlichen Politiker noch immer das Schlusslicht aller Bundesländer bei der Umsetzung der Katzenschutzverordnung? Da empfinden wir es als wichtig und völlig normal, dass verantwortungsbewusste Bürger sich vor Wahlen darüber erkundigen, wie denn ein Kandidat zu diesem Thema steht.
Wir wollen damit niemanden an den Pranger stellen, deshalb werden wir die erhaltenen Antworten auch nicht wörtlich zitieren. Doch eines können wir nicht verschweigen, nämlich wer keine Zeit gefunden hat, im Zeitraum von über 4 Wochen per Mail zu antworten. Dazu möchten wir auch eine Mail an uns vom Vorsitzenden des Bayerischen Gemeindetags, Herrn Bernd Fessler, CSU, erwähnen. Herr Fessler wandte sich an uns, weil sich offenbar einige der angefragten Bürgermeisterin schutzsuchend an ihn gewandt hatten. Warum wissen wir nicht, wenn sie mit der Beantwortung von fünf einfachen Fragen aber wirklich überfordert gewesen sein sollten, stellt sich uns die Frage, wie sie ihr wichtiges Amt im Alltag bewältigen möchten.
Herr Fessler teilte uns in seiner längeren Ausführung unter anderem mit, dass Tierschutz nicht zu den ursprünglichen Aufgaben einer Gemeinde gehören würde und er außerdem unsere Umfrage als wenig zielführend empfinde. Okay, es herrscht ja schließlich Meinungsfreiheit. Aber immerhin teilte er dann noch zum Abschluss seiner Mail mit, dass nach den Kommunalwahlen eine Katzenschutzverordnung auf der BGM-Dienstversammlung ergebnisoffen diskutiert werde und man dabei an eine landkreisweite Lösung denke. Vielleicht höhlt ja steter Tropfen doch den Stein!
Als eher kurios möchten wir die Antwort des 1. Bürgermeister von Bad Tölz Dr. Ingo Mehner einstufen. Er wollte unsere Fragen nicht beantworten, da, wir zitieren, „da ich leider nicht deutschlandweit Fragen zur Kommunalwahl beantworten kann“! Ja, bei dem täglichen Stress kann man schon mal übersehen, dass Bruckmühl gerade 35 km von Bad Tölz entfernt ist. Immerhin hat, laut seiner Antwort, Tierschutz für ihn „eine enorme Bedeutung“, also alles gut.
Doch nun, zu eurer Information, die Namen der angeschriebenen Gemeinde- bzw. Landkreisverantwortlichen oder Kandidaten, die bedauerlicherweise keine Zeit gefunden haben, uns zu antworten: Nussdorf BM Susanne Grandauer CSU/FWG, Hohenlinden BM Ludwig Maurer ÜWH , Forstinning BM Kandidatin Andrea Steiler CSU/SPD, Grünwald Jan Neusiedl CSU, Albaching GR und Landtagsabgeordneter Sebastian Friesinger CSU, München SR Roland Hefter SPD, Haag/Obb BM Sissy Schätz SPD, Wolfratshausen BM Klaus Heilinglechner BVW, Amerang BM Konrad Linner GLA, Griesstätt BM Kandidat Josef Linner CSU, Bad Feilnbach BM Max Singer ÜW, Miesbach BM Kandidatin Astrid Güldner Grüne, Miesbach BM Gerhard Braunmiller CSU, Grosskarolinenfeld BM Kandidat Anton Wallner CSU, Kolbermoor BM Kandidat Thomas Rothmayer UEWG, Rott am Inn BM Daniel Wendrock CSU/Freie Wähler, Ebersberg OB Kandidat Josef Peis CSU/Pro Ebersberg, Holzkirchen BM Christoph Schmid CSU, Grafing BM Kandidat Christian Kerschner-Gehrling SPD, Wasserburg BM Kandidat Bastian Wernthaler SPD, Wasserburg Georg Gäch, Wasserburger Block, OB Kandidatin Anna Rutz Grüne, Bruckmühl BM Richard Richter CSU, Feldkirchen-Westerham Johannes Zistl CSU, Bad Aibling Bürgermeister Stephan Schlier CSU.
Im Nachgang haben wir auch den Traunsteiner Landrat Andreas Danzer Freie Wähler und Tittmonings Bürgermeister Andreas Bratzdrum CSU angeschrieben, hier hoffen wir noch auf eine Antwort. Wobei gerade Tittmoning ein absoluter Hotspot ist, bisher aber beharrlich eine Katzenschutzverordnung ablehnt!
Wir finden, doch eine relativ lange Liste, was meint ihr? Wobei wir diesen Damen und Herren keinesfalls Desinteresse am Tierschutz unterstellen möchten. Möglicherweise war der ein oder andere zu beschäftigt oder der Meinung, dass Bruckmühl zu weit entfernt wäre, um sich zu äußern. Oder aber er glaubt, in seinem Gebiet gäbe es kein Problem mit Streunerkatzen, was aber zum Beispiel in Amerang und Nussdorf sicher nicht zutreffen kann! Trotzdem lässt dies doch ein etwas unerfreuliches Bild zu und passt zum Eindruck, dass es halt „nur“ um Tierschutz geht. Das mag für viele Wähler durchaus in Ordnung sein, wir fänden es trotzdem halt besser, wenn ein Gemeinde- oder Landkreisverantwortlicher gerade vor der Wahlentscheidung Fragen auch beantworten würde.
Doch nun zu weit Wichtigerem, nämlich den Antworten. Hier, und das freut uns ganz besonders, merkte man bei Vielen ein echtes Interesse am Tierschutz. So wie bei Landrat Christoph Göbel, Landkreis München Land CSU und dem Rosenheimer Landrat Otto Lederer CSU. Beide äußern sich sehr positiv zum Thema Katzenschutzverordnung und auch detailliert zur Lage des Tierschutzes. Hier merkt man auch, dass beide im Thema stehen, was leider nicht bei Allen so ist. Landrat Göbel wird nach den Kommunalwahlen unseren Gnadenhof zu einem Informationsaustausch besuchen. Wir freuen uns jetzt schon auf seinen Besuch, vielleicht finden sich ja Nachahmer. Auch der Miesbacher Landratskandidat Thomas Tomaschek von den Grünen antwortete fachlich sehr fundiert und steht an der Seite des Tierschutzes. Der Bürgermeisterkandidat für Tuntenhausen Christian Mayer CSU, ist zumindest dem Tierschutz zugewandt, mehr dazu gibt’s nach seiner Wahl.
Der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß CSU, nahm sich für seine ausführliche Antwort viel Zeit, dafür ganz besonderen Dank. Auch vermittelt er den Eindruck, dass ihm Tierschutz sehr am Herzen liegt und ihn auch im privaten Bereich pflegt.
Der Kolbermoorer BM Kandidat Christian Morgenroth von der SPD griff sogar sofort zum Telefon und bat Renate Holland um weiterführende Informationen. Solche Reaktionen ermutigen uns, weiter für das Wohl der Katzen zu kämpfen. Bürgermeister Josef Oswald CSU aus Glonn und der Samerberger BM Kandidat Wolfgang Ull hatten zwar bisher keinen Bezug zur Katzenschutzverordnung, antworteten jedoch sehr ehrlich und glaubwürdig, danke dafür! Der Grafinger BM Christian Bauer beantwortete gerne unsere Fragen zum Tierschutz, Rosenheims OB Andreas März äußerte sich nur sehr allgemein, unsere Fragen ließ er aber leider unbeantwortet. Dabei sollte doch gerade ihm das Thema Tierschutz auf den Nägeln brennen, immerhin steht das Rosenheimer Tierheim kurz vor der Insolvenz! Besonders viel Zeit nahm sich der Brunnthaler BM Stefan Kern, viele seiner Aussagen zeigen großes Verständnis für den Kampf gegen das Tierleid. Aying Bürgermeister Peter Wagner verweist nach dem Sankt Florians-Prinzip darauf, dass nicht die Kommune, sondern die Bürger Tierheime durch Spenden mehr unterstützen sollten. Nicht ganz nachvollziehen können wir, dass Aufklärung wichtiger wäre als die Umsetzung der Katzenschutzverordnung, dass Problem von herrenlosen Streunerkatzen wäre so allein kaum lösbar.
Auch die Antwort von Traunsteins OB Dr. Christiane Hümmer war recht allgemein gehalten, dabei ist sein Bild von der Zusammenarbeit mit dem Tierschutzverein zumindest interessant. Als letzter Landrat meldete sich der Mühldorfer Max Heimerl, auch hier sehr allgemeine Aussagen. Wobei einfach bemerkenswert ist, dass auch er auf die Entfernung zu Bruckmühl hinwies, Tierschutz sollte doch ein landkreisübergreifendes Thema sein, denn Streunerkatzen machen auch vor Landkreisgrenzen nicht halt. Dazu passt auch die Antwort von Johannes Kirmair, Bewerber für das Bürgermeisteramt in Germering. Seine provokante Gegenfrage, ob wir denn überhaupt Mitglieder aus Germering hätten, lässt nicht gerade auf großen Sachverstand schließen. Aber Herr Kirmair ist ja noch jung, das kann schon noch kommen. Seine Gegenkandidaten der Grünen, Sophie Schuhmacher dagegen, antwortete sehr ausführlich.
Kommen wir zu zwei Bewerbern aus der AFD. Der Rosenheimer Landratskandidat Andreas Winhart antwortete sehr detailliert mit klaren Vorstellungen, die Frage ist, ob sich seine Gedanken auch umsetzen lassen. Ebenfalls in Rosenheim kandidiert Bernhard Baron Boneberg für den Stadtrat. Auch er antwortete sehr ausführlich, wobei wir Herrn Boneberg schon seit einiger Zeit als Unterstützer unseres Gnadenhofs kennen. Recht ausführlich antwortete auch BM Leonhard Spitzauer CSU, Gemeinde Vaterstetten/Parsdorf, allerdings übersah er dabei die von uns gestellten Fragen. Asslings BM Kandidat Sebastian Brilmayer CSU, steht offenbar gut im Thema und hatte auch einige interessante Vorschläge. BM Piet Mayr aus Zorneding antwortete ebenfalls, allerdings scheint ihm das Thema nicht ganz so wichtig.
Bedanken möchten wir uns bei Helmut Hingrainer, der uns mit den Fragen an die Raublinger Bürgermeisterkandidaten Franziska Pfaffelhuber von den Freien Wählern und Michael Linnerer CSU unterstützte. Respekt, beide antworteten detailliert und ausführlich, Tierschutz scheint in Raubling zukünftig gut aufgehoben, was leider bisher nicht so war.
Zum Schluss möchten wir noch über ein überaus freundliches Gespräch mit einem Bürgermeisterkandidaten berichten. Wir hatten ihn angeschrieben, da uns vom Katzenschutz Inntal über Probleme in der Gemeinde berichtet wurde. Darauf meldete sich der Mann bei uns und schilderte, dass es kein Problem mit unkastrierten Katzen gebe. Alle Katzenbabys würden verschenkt und untergebracht, deshalb sei doch eine Kastration unnötig. Immerhin habe er aber seine Katzen kastrieren lassen. Genau diese Schönfärberei verursacht das Leid der Katzen und zeigt eine dringend notwendige Umsetzung der Katzenschutzverordnung. Streunerkatzen leiden und sterben meist einsam und unbeobachtet!
Doch was hat uns diese Aktion nun gebracht? Klar, wer erwartet hat, dass damit alle Probleme gelöst seien hatte sicher eine falsche Erwartungshaltung. Wenn wir ein Resümee ziehen, dann fällt das überwiegend positiv aus. Wir gingen von einer 25-prozentigen Antwortquote aus, wurden aber mit fast 50 % positiv überrascht. Ausgehend von der bisherigen Haltung vieler verantwortlicher Kommunalpolitiker, die oft eher einer Blockade glich, zeigt sich jetzt ein ständig wachsendes Interesse. Laufen war der erste Stein, der aus der Verweigerungshaltung gebrochen wurde, es folgten Kirchanschöring und weitere Gemeinden. Eine kürzlich durchgeführte Online-Infoveranstaltung zum Thema Katzenschutzverordnung stieß auf großes Interesse und hatte weit über 100 Teilnehmer, alles positive Zeichen.
Wobei uns immer klarer wurde, der Schlüssel zum Erfolg heißt Information. Dies betrifft sowohl Katzenhalter wie auch verantwortliche Politiker. Wir werden deshalb nicht nachlassen, weiter zu informieren und sind deshalb in Kontakt mit dem Katzenschutz Salzachtal sowie dem Katzenschutz Inntal. Denn wer aufgibt, der hat verloren und die Verlierer sind Hunderttausende Streunerkatzen in Bayern.
Zum Schluss noch ein Wort zu den bald stattfindenden Kommunalwahlen. Es wurde hier nur das Thema Tierschutz bearbeitet, wenn also ein Kandidat hier nicht geantwortet hat, bedeutet das natürlich nicht, dass er nach unserer Meinung nicht wählbar wäre. Wir sind sicher, dass jeder, der sich zur Wahl stellt, auch das Beste für seine Gemeinde oder Landkreis erreichen möchte. Natürlich möchten wir uns bei allen von uns angeschriebenen Personen bedanken, natürlich ganz besonders bei denen, die uns mit ihrer Antwort geholfen haben, ein Gefühl für die Wichtigkeit des Tierschutzes in der kommunalen Politik zu bekommen. Und vielleicht ist es ja auch ein Ansporn für jeden Wähler, „seinen“ Kandidaten einfach nochmals auf das Thema Tierschutz anzusprechen. Danke für eure Aufmerksamkeit und, ganz wichtig, geht bitte wählen.