Pfotentagebuch Oktober
Wenn der Oktober eines war, dann abwechslungsreich. Los ging es tatsächlich ziemlich lustig:
Vielleicht habt ihr unser Instagram-Video gesehen, in dem unsere Mitarbeiter mit verbundenen Augen erraten sollten, welche Katze sie gerade vor sich haben. Und was soll ich sagen? Das hat erstaunlich gut funktioniert! Da merkt man einfach, wie gut unser Team seine Schützlinge kennt.
Wobei man nach so vielen gemeinsamen Stunden, Medikamentengaben, Fütterungen und kleinen Diskussionen über die Frage, wer jetzt eigentlich wo liegen darf, fast schon behaupten könnte, unsere Katzen wären Familienmitglieder. Nur mit deutlich mehr eigenen Vorstellungen davon, wie der Alltag zu laufen hat.
Einer, der uns gerade ordentlich auf Trab hält, ist Nero. Der junge, blinde Kater war schon einmal bei uns, durfte zwischenzeitlich auf eine Pflegestelle ziehen und ist nun leider wieder zurückgekehrt. Der Grund ist seine ausgeprägte Unsauberkeit beziehungsweise das intensive Markieren, das sich in einem privaten Haushalt nur sehr schwer auffangen lässt. Bei uns kommt Nero inzwischen ganz gut zurecht, auch wenn das große Haus mit seinen vielen Räumen und Katzen für ihn natürlich eine echte Herausforderung ist. Seine Unruhe sorgt bei den anderen Bewohnern nicht immer für Begeisterung – und auch blinde Kater können offenbar ziemlich viel Wirbel veranstalten.
Deshalb darf Nero aktuell im Balkonzimmer in Ruhe ankommen und lernt dort ausgewählte, freundliche Katzen kennen. Ganz auf die Welt da draußen verzichten muss er natürlich nicht: In Begleitung unserer Mitarbeiter darf er den Garten erkunden, bevor es anschließend wieder zurück in sein Zimmer geht. Wir hoffen, dass er mit der Zeit mehr Sicherheit gewinnt und seinen Platz bei uns findet.
So lustig der Monat begonnen hat, so schwer war er leider auch. Wir mussten uns von mehreren unserer Schützlinge verabschieden, und manche Abschiede tun einfach besonders weh. Allen voran ist unser Dario gegangen, der für viele von euch ein echtes Aushängeschild des Katzentraums war.Er hat so viele Menschen berührt und war ein ganz besonderer Teil unseres Hauses. Auch unsere liebe Bambi, der kleine Attila, die süße Schnecke und unser Senior Alex fehlen uns sehr.
Gerade Alex hat uns noch einmal gezeigt, dass sich Geschichten manchmal ganz anders entwickeln, als man zunächst denkt. Vor über drei Jahren wurde er mit akutem Nierenversagen nach Hause geschickt – mit der Einschätzung, dass ihm vielleicht noch eine schöne letzte Woche bleiben würde.
Alex hatte allerdings offenbar andere Pläne. Aus dieser einen Woche wurden ganze dreieinhalb Jahre! Dreieinhalb Jahre, in denen er bei uns leben, seinen Alltag genießen und noch viele schöne Momente erleben durfte. Irgendwann war dann doch seine Zeit gekommen, und er durfte ganz friedlich einschlafen. Natürlich schmerzt es, wenn wir unsere Schützlinge gehen lassen müssen.
Aber es tröstet uns, zu wissen, dass sie bei uns nicht allein sind. Unsere Mitarbeiter begleiten jede Katze liebevoll bis zum Schluss. Wenn eines unserer Tiere bei uns ganz sicher nicht ist, allein!
Ein schöner Lichtblick ist dafür unser Schlawiner, von dem viele von euch in den vergangenen Wochen schon einiges gehört und gelesen haben.
Er hat die Quarantäne inzwischen hinter sich gelassen und ist wieder mittendrin im ganz normalen Katzentraum-Wahnsinn. Am liebsten ist er draußen im Garten, aber auch die Küche hat er für sich entdeckt. Sein ganz persönliches Reich hat er sich allerdings auf dem Fensterbalkon im kleinen Zimmer im ersten Stock eingerichtet. Manche Katzen brauchen eben kein eigenes Haus – ein Balkon mit Aussicht reicht völlig, solange klar ist, wem er gehört.
Mit dem kälteren Wetter verändert sich auch das Leben unserer Freigänger. Immer mehr Katzen zieht es wieder nach drinnen, und inzwischen kommt es tatsächlich vor, dass nachts sogar Hugo oder Findus im Haus auftauchen und sich ein gemütliches warmes Plätzchen suchen. Selbst Zausel verlässt mittlerweile seinen Stammplatz auf dem Balken, um es sich in einer warmen Heizhütte gemütlich zu machen. Wir
finden das natürlich wunderbar. Schließlich freuen wir uns über jedes Tier, das sich ein warmes, geschütztes Plätzchen sucht, wenn es draußen ungemütlich wird. Auch wenn wir natürlich wissen, dass manche unserer Freigeister vermutlich lieber erfrieren würden, als freiwillig zuzugeben, dass es drinnen eigentlich ganz nett ist.
Medizinisch war der Oktober ebenfalls alles andere als langweilig. Unser Team und das medizinische Personal hatten alle Hände voll zu tun, und eine kleine Patientin beansprucht gerade besonders viel Aufmerksamkeit: Chelsea. Wer sie in letzter Zeit besucht hat, hat vielleicht ihre Verbände an den Füßen gesehen, die ein bisschen aussehen, als hätte sie kleine Stiefel an. Leider sind diese dringend notwendig. Durch ihren sogenannten plantigraden Gang, bei dem Katzen auf den Sohlen statt auf den Zehen laufen, entstehen in Verbindung mit ihrer Inkontinenz starke Hautreizungen. Inzwischen hat sie offene,
wunde Druckstellen an den Hinterpfoten, die gut geschützt werden müssen. Wir wollen verhindern, dass Keime in die Wunden gelangen, und ihr gleichzeitig das Laufen so angenehm wie möglich machen. Dafür müssen die Verbände in kurzen, regelmäßigen Abständen gewechselt werden. Chelsea findet das Ganze verständlicherweise nicht immer großartig – ein bisschen zwider ist die kleine Maus durchaus. Aber sie macht wirklich tapfer mit, und wir hoffen sehr, dass die Wunden bald so gut verheilt sind, dass sie wieder ohne ihre kleinen Stiefel unterwegs sein kann.
Natürlich gab es im Oktober auch Neuzugänge. Pauline, Paulina oder vielleicht doch Paulinchen – ganz einig sind wir uns beim Namen noch nicht. Unsere Mitarbeiter haben da offenbar noch Beratungsbedarf. Eine ausführliche Geschichte über die kleine Dame bekommt ihr ganz bestimmt noch. Im Moment wohnt sie zum Eingewöhnen im Balkonzimmer und darf erst einmal in Ruhe ankommen. Außerdem ist Bella bei uns eingezogen. Sie ist stolze 19 Jahre alt und hat ihr neues Zuhause vorerst im Baumzimmer gefunden. Auch sie werden wir euch natürlich noch genauer vorstellen. Beide sind ganz lieb und freuen sich über Besuch.
Und so geht auch dieser Oktober zu Ende: mit lustigen Momenten, neuen Gesichtern, medizinischen Herausforderungen, kleinen Fortschritten und Abschieden, die uns noch lange begleiten werden. Manchmal passiert an einem Tag so viel, dass man abends kaum weiß, wo man anfangen soll zu
erzählen. An anderen Tagen besteht der größte Erfolg darin, dass eine Katze gut gefressen, ihre Medikamente bekommen oder sich endlich einen warmen Schlafplatz gesucht hat.Für uns sind das keine Kleinigkeiten. Es ist unser Alltag – und es sind genau diese vielen kleinen Dinge, die das Leben unserer Katzen ausmachen.
Wir freuen uns über jeden schönen Moment, kämpfen uns durch die schwierigen Tage und versuchen, jedem einzelnen unserer Schützlinge das zu geben, was er gerade braucht. Mal ist das eine aufwendige Behandlung, mal ein ruhiger Rückzugsort, mal ein bisschen Geduld und manchmal einfach nur jemand, der sich dazusetzt und Zeit schenkt. Langweilig wird es bei uns jedenfalls nicht.
Herzliche Grüße aus dem KatzenTRaum
Paula ♥️