Küchengeheimnisse unseres Gnadenhofs
Wenn’s um Ernährung geht, gibt es oft ganz unterschiedliche Meinungen. Dies gilt auch besonders bei Katzen, immer wieder erreichen uns dazu Nachrichten unserer Katzenträumer. Doch wie läufts denn wirklich in unserem Gnadenhof. Wer könnte das besser wissen als unsere Betriebsleiterin Paula und deshalb haben wir um einen Termin bei ihr nachgefragt!
NL : Hallo Paula, danke dafür dass du Zeit für uns gefunden hast. Wir möchten heute über das Thema Ernährung unserer Schützlinge mit dir sprechen!
Paula : Gerne, was möchtet ihr denn wissen?
NL : Wir möchten zuerst ein grundsätzliches Thema ansprechen das unsere Leser immer wieder bewegt. Dabei geht’s um den immer wieder geäußerten Vorwurf, wir würden nur „billige“ Sorten verfüttern, die für Katzen angeblich ungesund sind.
Paula : Den Vorwurf kenn ich auch und ich weiß, dass es immer wieder sehr widersprüchlich Aussagen von Tierärzten und angeblichen Experten dazu gibt. Zuerst wird mir wohl jeder Katzenhalter zustimmen, das wichtigste bei der Katzenfütterung ist zuallererst, dass die Katze das angebotene Futter auch akzeptiert! Und jeden, der jetzt sagt, das wäre eine reine Erziehungssache, lade ich ein, bei uns mitzuhelfen. Was Zuhause vielleicht funktioniert ist bei über 75 Katzen eben nicht wirklich umsetzbar. Denn wenn unseren Katzen das angebotene Futter nicht passt, dann weichen sie eben auf Trockenfutter aus. Und damit ist dann nichts erreicht.
Dazu kommt, dass wir sehr oft Streuner bekommen, die sich viele Jahre oft auch nur von Abfällen ernährt haben. Und besonders schwierig wird es dann, wenn Katzen krank oder geschwächt zu uns kommen. Da gibt es dann nur eine Regel: „Wichtig ist, dass die Katze frisst“. Denn sonst bleibt nur künstliche Ernährung und das kann nur in absoluten Notfällen erfolgen.
NL : Verstehe, und was sagst du zum Thema schlechtes Futter, gutes Futter?
Paula : Was bitte ist schlechtes Futter! Wir haben zum Beispiel vor über zwei Jahren Peter aus einem Messi-Hof befreit. Er lebte nach dem Tod des Besitzers dort zweieinhalb Jahre zusammen mit seinem Bruder alleine und wurde nur jeden zweiten Tag von einem Nachbarn mit einigen Tüten „Felix“ gefüttert. Und glaubt mir, wir haben noch selten einen Kater bekommen mit so tollen Blutwerten und einem seidig glänzenden Fell.
NL : Aber wie sieht das mit ernährungssensiblen Katzen aus?
Paula: Natürlich füttern wir bei Bedarf auch spezielles Futter, so bei Nierenproblemen oder auch Gastrofutter. Das Problem in einem Gnadenhof ist allerdings, dass dazu die Katze separiert werden muss. Denn wie soll man sonst verhindern, dass die Mieze auch auf einen anderen Napf zugreift. Die Lösung bei schwerwiegenden Fällen ist dann meist der Umzug auf einen Pflegeplatz. So wie unsere Valeria, ihre Leberwerte haben sich so extrem verbessert.
NL: Okay, aber welche Menge an Nassfutter verfüttert ihr denn so am Tag?
Paula: Gute Frage, aber wenn ich es so hochrechne, dürften es 20 bis 25 kg Nassfutter pro Tag sein!
NL: Und das bewältigt ihr allein durch Futterspenden?
Paula : Diese Unterstützung ist für uns sehr wichtig, nochmals danke dafür. Aber natürlich erhalten wir auch immer wieder Unterstützung durch die Industrie, sonst wäre es kaum machbar.
NL : Erzähl doch mal, wann wird denn gespeist bei Euch?
Paula: Es gibt zwei feste Zeiten, Frühstück gibt es pünktlich um 06:15 Uhr und dann am späten Nachmittag ist um 16:00 Uhr Essenszeit.
NL : Und wann ist der Appetit größer?
Paula : Grundsätzlich am Morgen, aber es gibt natürlich Ausnahmen.
NL : Du machst uns neugierig, was ist denn so eine Ausnahme?
Paula : Wie bei uns Menschen gibt es auch bei Katzen Lerchen und Eulen. So verschlafen Dario und Lola grundsätzlich das Frühstücken und „brunchen“ dann später.
NL : Und ihr verteilt das Futter in Näpfe oder ?
Paula : Nein, wir servieren auf Tellern. Auf die Standardteller kommen dann jeweils drei verschiedene Sorten, insgesamt über 40 Teller.
NL : Du sagst „Standardteller“. Gibt es also auch Ausnahmen?
Paula : Natürlich gibt es bei uns auch Sonderwünsche. So besteht Mucki, unsere Küchenchefin darauf, dass sie ihren persönlichen Teller in der Küche serviert bekommt. Und auch unsere Miezen im Baumzimmer bekommen zwar keine Extrawurst, aber einen Extrateller.
NL : Wie sieht das bei der Streunergang aus?
Paula : Da wird im Garten serviert. Im Winter in beheizten Tellern, man gönnt sich als Streuner ja sonst nichts.
NL : Wir nehmen an, dass es ja auch Miezen mit besonderen Vorlieben gibt?
Paula : Gibt es! So liebt Hildegard Fisch in allen Variationen während unsere Mila auf Felix Rind mit Sauce besteht. Und Senior Arthur freut sich ganz besonders, wenn es extra für ihn Animonda Pastete gibt.
NL : Ihr habt ja auch einige „Oldies“ die ihr Gebiss bereits beim Zahnarzt abgegeben haben?
Paula : Korrekt! Hier gibt es dann vorzugsweise Pastete und Mousse!
NL : Und wir haben gehört, für Mio gibt es sogar einen ganz besonderen Service?
Paula: Ja, erstens liebt er Pastete und zweitens wird Mio immer vorsichtig gestützt. Denn durch seine Ataxie könnte er sonst während der Mahlzeiten auch mal das Gleichgewicht verlieren, deshalb gibt’s für ihn betreutes speisen. Und dabei ist es dann auch für uns eine besondere Freude, denn niemand kann so begeistert laut schmatzen wie unser Mio.
NL : Wir haben letztmal auch so ein Zauberpulver gesehen ….
Paula : Das hat nichts mit Zaubern zu tun. Wir streuen Pro Biotica Pulver von JamJam oder Taurin in Pulverform über die Mahlzeiten. Immer alle vier Wochen im Wechsel. Wir haben auch mal beides zusammen probiert, aber da merkten es die Miezen und haben gestreikt.
NL : Apropos streiken, bestimmt kommt es auch mal vor, dass eine Katze das Essen verweigert, oder?
Paula : Natürlich passiert auch das immer mal. Deswegen fertigt zum Beispiel das Frühteam immer einen Bericht an, in dem zum Beispiel steht, welche Katze nicht oder kaum Appetit hatte. Wenn dann später das Medi-Team beginnt, wird der Grund dafür geprüft. War‘s nur ein „Mag ich nicht“, oder liegt eventuell ein ernster Hintergrund vor.
NL : Außerdem gibt es Trockenfutter, richtig?
Paula : Korrekt und dazu wird das Wasser zweimal am Tag gewechselt.
NL : Wir sehen, ihr habt das Thema voll im Griff. Gibt es vielleicht noch eine ganz besondere Geschichte zum Thema?
Paula : Gibt es, aber bitte nicht wundern. Unser roter Ägypter Ramses hat nämlich einen für Katzen ganz exklusiven Geschmack!
NL : Und der wäre, verrätst du es uns?
Paula : Okay! Also manchmal bringt eine Mitarbeiterin für die Kollegen was zum Essen mit, meistens vom Bäcker. Und legt dann die Papiertüte auf den Tisch, wer möchte, kann sich dann bedienen. Und das hat mittlerweile unser Ramses mitbekommen, er hält sich ja gerne in der Küche auf. Und da kommt es dann manchmal vor, dass Ramses den Tisch entert und sich an die Bäckertüte macht. Und ob ihr es glaubt oder nicht, er schnappt sich dann die Tüte, durchbeißt das Papier und macht sich dann über eine Breze her! 🙈
NL: Und wenn keine Breze in der Tüte ist ?
Paula : Nach einer kurzen Phase der Enttäuschung probiert er dann ein Croissant oder ein anderes Süssgebäck. Er ist einfach crazy. Aber zur Beruhigung, ansonsten ist er normal und hat auch gute Blutwerte.
NL : Na Gottseidank, so eine ganze Breze mit Salz ….
Paula : Nein, natürlich schnabuliert er nicht eine ganze Breze, da passen wir schon auf!
NL : So Paula, jetzt noch eine allerletzte Frage. Was frühstücken denn eure Mitarbeiter?
Paula : ( lächelt ) Kaffee und Süßigkeiten ! ☕️🍫
NL : Hauptsache den Miezen geht’s gut! 😻 Danke Paula, dass du unsere Leser exklusiv am Thema Ernährung teilnehmen hast lassen. 🙏