Warum die Auswahl unserer Neuzugänge so ist wie sie ist.
Erst vor kurzem erreichte uns eine Nachricht von einem unserer größten Unterstützer und Mehrfachpaten. Darin fragte er sinngemäß an, warum wir denn immer öfter Katzen aus dem Ausland bei uns aufnehmen würden. Schließlich gibt es doch auch in Deutschland viele hilfsbedürftige Katzen, die sich bestimmt über einen Platz in unserem Gnadenhof freuen würden. Wie wir finden eine durchaus berechtigte Frage und wir nehmen die Gelegenheit gerne war, hierzu Stellung zu nehmen.
Nun, ganz ehrlich sind wir beim Lesen der Mail zuerst kurz zusammengezuckt, kümmern wir uns vielleicht wirklich eher um Katzenschicksale im Ausland statt um Schicksale in der Heimat, von denen es bekanntlich genügend gibt? Sofort holten wir unsere Bestandsliste heraus und zählten die Häupter unserer Schützlinge durch. Dann ein erstes Aufatmen, der überwiegende Teil unserer Katzen kommt aus Deutschland ! Doch warum entsteht dann offenbar bei einigen Katzenträumern der Eindruck, wir würden uns vermehrt um Katzen aus Italien, dem Balkan, Griechenland, Türkei oder sogar Ägypten kümmern ?
Auch hier glauben wir, den Grund gefunden zu haben. Denn wenn wir unsere Berichterstattung über unsere Neuzugänge der letzten Zeit nachverfolgen, mag durchaus ein falscher Eindruck entstehen. Denn natürlich bleiben Schicksale wie vom blinden Merlin, der in Mazedonien aus einer Mülltonne gezogen wurde, von der leider mittlerweile verstorbenen Kira, die in Rumänien mit einem Holzknüppel fast totgeprügelt wurde oder gar von Lissy, der in der Türkei ein Metzger eine Vorderpfote abhackte, eher im Gedächtnis als es bei Seppi, der als Streuner auf einem Auge erblindete oder bei Molly, deren Besitzerin verstarb.
Mittlerweile kennen praktisch alle Tierhilfsorganisationen in Süd- und Südosteuropa unseren Gnadenhof, da bleibt es natürlich nicht aus, dass uns wirklich täglich Anfragen mit besonders schlimmen Schicksalen erreichen. So erhielten wir in den letzten Tagen Kenntnis von einem besonders schlimmen Fall von Sodomie mit einer Katze, nun wird verzweifelt ein Platz für die schwer verletzte Kätzin gesucht. Um gleich Vorurteilen vorzubeugen, wir hatten ganz ähnliche Fälle auch aus Bayern, wer erinnert sich nicht an die unvergessene Lola.
Sicher könnt ihr euch vorstellen, wie schwierig unsere Entscheidung oft ist, ob und an wen wir einen der begehrten Plätze vergeben können. Die endgültige Wahl trifft dabei unser Vorstand, immer in Absprache mit Paula, unserer Betriebsleitung. Dabei ist uns wohl bewusst, dass gerade bei Anfragen aus dem Ausland dies auch oft eine Entscheidung über Leben und Tod ist. Denn gerade dort ist die Todesspritze sonst oft der letzte Ausweg. Dazu kommt immer noch die Überlegung, ob der Katze am aktuellen Platz geholfen werden kann. Die tierärztlichen Möglichkeiten sind nun mal in Europa immer noch recht unterschiedlich.
Dabei gilt für uns der Grundsatz, eine Miau klingt in allen Ländern gleich und Schmerzen empfindet eine Mieze aus Oberpframmern genauso wie im anatolischen Safranbolu. Und natürlich sind wir uns des Umstands bewusst, auch wir können nicht alle Katzen auf der Welt retten! Übrigens spielen bei uns auch keine landsmännischen Verbindungen eine Rolle. Und, Achtung Satire, auch ein Gratisurlaub in Kairo war noch nie im Spiel. Und so werden wir weiter versuchen, wenigstens den Ärmsten unter den Armen zu helfen, egal wo sie leben.
Zum guten Schluss noch eines: Unsere Miezen ist völlig egal, woher ihre Mitbewohner kommen. Und so verstehen sich nicht nur unsere bayerischen Burschen William und Kurti bestens, auch Fritzi aus Ischia kommt super mit Nikos aus Mykonos zurecht. Und auch Italo-Kater Luigi sieht man immer wieder mit dem Urbayern Fury durch den Garten stromern. Last but not least vielen Dank an Helmut, seine durchaus berechtigten Frage gab uns die Gelegenheit, euch einen Einblick in unsere Arbeit zu geben.