G’schichten über Menschen und Schicksale ! Der Strasserhof im Wandel der Jahrhunderte !

Teil 2 : Von Schulschwänzern und Ganoven !

Hier setzen wir die Strasserhof-Geschichten fort. In diesem zweiten Teil geht es vor allem um den Kaspar Maier und seine Familie, die in den folgenden 38 Jahren auf dem Anwesen lebten.

1752 übernahm ein Andreas Lengauer den Strasserhof, der diesen später an seinen Sohn, bzw. an den Enkelsohn vererbte.
Im Jahre 1838 betrat dann eine schillernde Persönlichkeit den Bauernhof, Kaspar Maier aus Götting. Der damals 28jährige ehelichte die Kirchhuber Anna aus Aibling, die im später 5 Kinder gebar. Leider erlag sie bei der letzten Geburt an Kindsbettfieber.
Nun, ich möchte es nicht verheimlichen, dass die Familie des Kaspar Maier nicht unbedingt zu den Vorzeigebewohnern des Strasserhofs gehörte.

Es war zu dieser Zeit durchaus üblich, dass Bauern, aber auch Kleinhäusler Kinder aus Münchner Waisenhäusern als Pflegekinder aufnahmen. Dies war eine gern gesehene Nebeneinnahme und außerdem konnte man, je nach Alter die, wenn auch bescheidene,  Arbeitskraft des Kindes nutzen.
So wurde im März 1854 die in München geborene 3jährige Louise Gernbauer zur weiteren ordentlichen Erziehung und Verpflegung aufgenommen. Ihr Vater, der Münchner Dekorationsmaler August Hackemaier heiratete allerdings 3 Jahre später und so musste die kleine Louise wieder an ihn übergeben werden.
Doch nun wird’s wild. Ein späteres Pflegekind, Josef Putzmann, erlebte auf dem Strasserhof wohl nicht gerade schöne Tage. Aus einen Schreiben des Münchner Magistrats vom 8. Juni 1863 geht hervor, dass der sich beim Strasserbauern in Pflege befindende Knabe Josef Putzmann auf Veranlassung  seines Pflegevaters sich aus dieser Pflege entfernt und zu seiner Mutter begeben habe.

Nach Angaben des Knaben wäre er „von seinem Pflegevater, also Kaspar Maier, welcher ihn beständig zu jedweder Bauernarbeit anhielt, am Schulbesuche gehindert worden. Ebenso hat dessen Mutter die bestimmte Versicherung abgegeben, dass der Knabe in ganz zerlumpter Kleidung, ohne Schuhe und mit Ungeziefer behaftet bei ihr angekommen sei“ ! Das Pfarramt Götting wurde ersucht, die Angelegenheit zu untersuchen, insbesondere warum sich der Knabe unerlaubt entfernt habe.

In einem weiteren Schreiben vom 21. Juli des gleichen Jahres heißt es, der Bauer Kaspar Maier aus Ried habe den entlaufenen Pflegling Josef Putzmann am Zehnten des Monats eigenmächtig bei seiner Mutter wieder abgeholt und wieder in Pflege genommen. Der Pflegling bedürfe nämlich einer strengeren Aufsicht, da sonst die Gefahr der Verwahrlosung drohe. Der Unterhaltsbetrag würde rückwirkend zum 1. Juni wieder eingezogen. Offenbar reagierte aber der Strasserbauer nicht, so dass Ende August eine weiteres amtliches Schreiben folgte. Über das weitere Schicksal des Knaben Josef Putzmann ist nichts bekannt, aber wir befürchten Schlimmstes!

Damals umfasste das Strasseranwesen in Götting, Ried Hausnummer 49 einen Viertelhof, bestehend aus einem Wohnhaus mit Keller, Backofen, Stall und Stadel, Wagenremise und Hofraum zu 0,16 Tagwerk. Der Hausgarten, in dem sich auch der Backofen befand, umfasste 0,75 Tagwerk. Dazu kam ein Kirschbaumacker mit 0,35 Tagwerk und einige Grundstücke mehr. Gesamt bestand das Anwesen aus circa 20 Tagwerk. Ein Tagwerk umfasst übrigens circa 3.400 qm. Wie der Name „Tagwerk“ schon aussagt, geht es hier um die Fläche, die ein Bauer mit einem Ochsengespann innerhalb eines Tages pflügen konnte, also das Werk eines Tages.
Doch damit ist die Geschichte des Kaspar Maier noch nicht auserzählt. Denn am 25. Dezember 1866 gab es eine öffentliche Gerichtsverhandlung im Landgericht zu Aibling in dem Kaspar Maier junior wegen „Übertretung des Versuchs des Betrugs zu einer Arreststrafe von 14 Tagen einfach geschärft“ verurteilt wurde.

Überhaupt kamen auch die Strassersöhne häufiger mit dem Gesetz in Konflikt. Damals war es üblich, dass der Gefängnispfarrer „Sozialprognosen“ über das kirchliche Leben und den sittlichen Zustand eines entlassenen Sträflings nach verbüßter Strafe abgab.
So auch für den jungen Straßer Josef Maier, Eisenbahnarbeiter, der 1867 11 Tage bei Wasser und Brot im Gefängnis Laufen einsaß, 1879 dann nochmals wegen Diebstahls 3 Monate und 15 Tage in Laufen verbrachte bis er dann schlußendlich 1885 im Gefängnis Amberg ganze 2 Jahre einsaß. Dazu passt hier die Aussage des Gefängnispfarrers von Laufen, „er ist ein sehr unredlicher und roher Mensch mit mittelmäßiger Schulbildung der keinen Willen zur Besserung hat“ !
Aber auch sein Bruder Alois verbüßte 1875 in Laufen 5 Monate wegen Diebstahls. Damit aber genug von der wenig ehrbaren Familie Maier aus Ried und wir wenden uns jetzt einem der nächsten Besitzer zu.
Anno 1875 war nämlich Josef Esterer der Besitzer. Er hatte mittlerweile wohl durch Zukäufe den Grund auf 25 Tagwerk Äcker, Wiesen und Wald vergrößert. Er entschloss sich nun aber, das Anwesen, das offenbar nicht mehr im besten Zustand war, zu verkaufen.

Und damit endet der zweite Teil der Strasserhof-Geschichten. Denn jetzt begann die Zeit der Katzenleitners und die setzte sich praktisch fast bis zum bitteren Ende des Strasserhofs fort. Aber das alles gibt’s dann im dritten Teil der Geschichte zu lesen.

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